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Gitta Blatt, Chefin des Feelgood Teams bei Wooga: kreative Lösungen – immer nah am Menschen

Gitta Blatt, Personalchefin vom Online-Spieleentwickler Wooga, gibt Einblick in ihren Berufsalltag, der mitunter höchst ungewöhnliche Lösungen von ihr und ihrem Feelgood Manager Team erfordert. Wooga ist ein sehr junges Unternehmen mit knapp 300 Mitarbeitern aus 40 verschiedenen Nationen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Berlin, wächst stark und buhlt, wie viele andere Unternehmen der digitalen Wirtschaft, um Talente.

Wooga GmbH
Saarbrücker Str. 38
10405 Berlin

Branche
Internet

Beschäftigte
Angestellte: 250
Frauen: 62
Männer: 188
Durchschnittsalter: 31
Nationalitäten: 40

Ansprechpartner
Josefine Botha

Website
www.wooga.com

Blog
Wooga-Blog

Offene Stellen
@Wooga

1.  Warum wurde Feelgood Management ein Thema für Wooga?

Nachdem wir erste Mitarbeiter verloren hatten, die wir gerne gehalten hätten, haben wir uns überlegt was eine bunte Unternehmenskultur liebens- und auch lebenswert macht, damit sich unsere Mitarbeiter aus allen Herren Ländern zuhause fühlen. Aus diesen Fragenstellungen haben sich dann verschiedene Facetten des Feelgood Managements entwickelt.

2. Was sind die Aufgabenbereiche des Feelgood Management bei Wooga?

Ein ganz wichtiger Bereich ist Onboarding und Integration. Wenn wir z.B. Talente aus Brasilien haben und jemand kommt von der Copacabana hier nach Berlin, dann hat der erst mal einen kleinen Kulturschock per sé. Administrativ ist es nicht einfach in Deutschland anzukommen. Wir unterstützen hier sehr viel. Das fängt mit der Arbeitsgenehmigung an und endet beim Thema Wohnung. Bei der Wohnungssuche bieten wir gezielte Unterstützung. Umso eher der Mitarbeiter sich zuhause fühlt, um so eher wird er zu einem Wooganer, der sich richtig auf den Job konzentrieren kann. Den neuen Mitarbeitern steht eine Accomodation-Managerin zur Seite. Sie holt jeden Neuzugang, der für uns nach Berlin zieht, mit dem Schlüssel der neuen Wohnung vom Flughafen ab. Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 19 Wohnungen gemietet und verwaltet, in die Woogas, wenn sie zu uns kommen, sechs Wochen wohnen dürfen – kostenfrei. In dieser Zeit findet jeder seinen Kiez, und die dazugehörige Wohnung.

Ein weiteres Feelgood Thema ist Vernetzung. Wir haben eine Reihe von Veranstaltungen dazu, wie z.B. ein Newstarter-Lunch. Alle 14 Tage laden wir Freitags das fünfköpfige Management-Team und alle neuen Mitarbeiter zum Kennenlernen in eine Pizzeria ein.Für uns ist extrem wichtig, Feedback zu unserer Arbeit zu bekommen. Das Feedback hilft uns kontinuierlich unsere Wohlfühl-Pakete zu verbessern. Dazu zählt auch das Mystery-Lunch einmal im Monat. Hier versuchen wir alle miteinander bekannt zu machen, die nicht per sé viel miteinander zu tun haben. In Gruppen von jeweils vier Woogas wird geluncht. Es werden vier zusammengelost, die sich wenig kennen. Wir glauben, dass es eben wichtig ist, sich gegenseitig zu kennen und zu verstehen und damit auch wertzuschätzen. Und ganz pragmatisch am Ende auch zu wissen, wen sie wofür ansprechen müssen, wer arbeitet woran. Das alles trägt am Ende zum Wohlfühlen und auch zu dieser kreativen Atmosphäre bei, die wir für die Entwicklung unserer Spiele brauchen.

Zusätzlich unterhalten wir uns viel über die Entwicklungsthemen mit den Kandidaten. Wir geben jedem Wooga ein Education-Budget. Das ist verhältnismäßig hoch. Zu dieser Summe bekommen Mitarbeiter noch zwei zusätzliche Tage im Jahr, die sie für Fortbildung ausgeben können. Nach Gesprächen mit ihren Managern und auch zum Teil mit uns, entscheiden sie, wie sie das Geld ausgeben möchten. Das kann ein Training sein, das kann ein Coaching sein. Das können aber auch Reisen zu Konferenzen sein. Wir versuchen so viel Freiheit wie möglich zu geben und schauen, dass auch jeder das Geld ausgibt, damit sich jeder mindestens einmal im Jahr um seine Weiterentwicklung kümmert. Zusätzlich organisieren wir dann noch Sprachtrainings, Public-Speaker-Trainings etc.

Das Thema Sport ist ein weiteres Feelgood-Thema. Wir haben eine Laufgruppe, ein Volleyball-Team, eine Yoga-Klasse, und nehmen an Sportevents teil. In verschiedenen Facebook-Gruppen organisieren wir die Events. Woher kommen die Vorschläge? Irgendjemand schreibt irgendeine Idee rein und fragt ob Wooga die Idee sponsert. Im Hand-Umdrehen finden sich 20-30-40 Mann zusammen. Wir fördern diese Netzwerke, fordern aber auch alle auf sich aktiv umzuschauen wer noch Lust dazu hat.

3. Seit wann wird Feelgood Management bei Wooga gemacht?

Seit einem Jahr. Begonnen haben wir vergangenen Sommer mit den erwähnten Rollen. Das Personalteam bauen wir erst seit 18 Monaten auf. Feelgood ist im Grunde ein MindSet, den wir mit Leben füllen . Die Grundhaltung hat Jens Begemann als Gründer und CEO von Anfang gelebt und priorisiert. Das ist sehr wichtig.

4. Welche Qualifikationen und Eigenschaften muss ein Feelgood Manager mitbringen?

Ein Feelgood Manager muss ein guter Kommunikator sein. Bei Wooga bringt ein Feelgood Manager Neugier auf fremde Kulturen und andere Lebensweisen mit. Je mehr ich mich für den anderen interessiere, umso schneller finde ich heraus, wo Probleme liegen könnten, bei denen ich helfen kann. Man muss eine gewisse Service-Mentalität mitbringen. Meist handelt es sich um sehr individuelle Themen. Zum Teil sind es auch sehr private Sorgen, mit denen Menschen zu uns kommen.

Zusätzlich muss man eine ganze Menge Pragmatismus, Flexibilität und Einfühlungsvermögen mitbringen, damit ein neuer Mitarbeiter sich nicht als Bittsteller fühlt. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen. Wenn wir dann mal „Nein“ sagen müssen, dann ist das eben auch so.

5. Woran misst du den Erfolg deiner Arbeit?

Ich messe es einmal daran, dass ich möglichst wenig Mitarbeiter verliere, die ich nicht verlieren möchte. Dass Mitarbeiter eben gerne bleiben und lange bleiben, auch über die Phase von typischen zwei Jahren, die ausländische Mitarbeiter oft planen. Also an der Mitarbeiterfluktuation und an der Mitarbeiterzufriedenheit.  Zusätzlich holen wir uns in Feedbackrunden Anregungen und Kritik.

6. Welche Gründe könnten Menschen dazu bewegen, Feelgood Management ambivalent zu betrachten? 

Ich glaube, dass es einige gibt, die sich hinter den Kulissen noch gar nicht mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Vielen ist einfach noch nicht klar, wie wichtig Unternehmenskultur für den Erfolg ist. Gerne wird Feelgood Management in diese Hipster-Schublade gepackt. Ich glaube schon, dass wir von vielleicht größeren Konzernen mit vielen Hierarchiestufen und Strukturen belächelt werden. Ich glaube aber, dass alle, wenn wir noch weiter in den Battle of Talent reinlaufen, sich in fünf Jahren spätestens mit dem Thema Unternehmenskultur zur Mitarbeitergewinnung und -bindung auseinandersetzen müssen. Und dann hoffe ich, dass wir bis dahin den Vorteil, den wir haben, noch weiter ausbauen können.

Das Portrait entstand in Kooperation mit Florian Nowack, Student der Hochschule Heilbronn, der im Rahmen seiner Bachelor Arbeit zu Feelgood Management, das Interview mit Gitta Blatt führte.

In dieser Serie stellen wir Feelgood Manager vor. Schreibt uns wenn ihr selbst als Feelgood Manager arbeitet oder einen Feelgood Manager kennt.
Wir freuen uns Euch kennenzulernen!

praxisbeispiele